
W.Kaminer hat in seinem ersten Band von Kurzgeschichten einmal erwähnt, in Berlin gäbe es jede Menge “unsichtbarer” Bulgaren – insbesondere als “falsche Türken” in Dönerläden arbeitend. Über den quantitativen Wahrheitsgehalt dieser Behauptung fehlt mir jegliche Kenntnis.
Da mir diese Geschichte, weiss Gott warum, jedesmal im Kopf herumspukt, wenn ich eine Dönerbude betrete, offenbarte sich meiner geschärften Aufmerksamkeit die Stammbelegschaft meiner Lieblingsdönerstube glasklar als bulgarisch. Ich denke nicht, dass sich die Männer dort grosse Mühe machen, als Türken durchzugehen; bulgarischer Wein, bulgarische Reisebüroposter und bulgarische Banknoten hinter Glas lassen nicht darauf schliessen.
Dieser bulgarische Grill ist ausserdem der einzige weit und breit, der anständiges, authentisches Kalbfleisch verwendet, anstatt jener abscheulichen Presspappe, die den Ruf des Berlins als Dönerhauptstadt zu recht ruiniert hat. Zudem ist der Salat frisch, die Sauce scharf, die Dönermänner sind stets freundlich und in ihren Arbeitspausen dabei zu beobachten, wie sie sich gegenseitig riesige Dönerteller servieren. Nicht umsonst mein langjähriger Lieblingsgrill eben.
Allerdings schwört ein guter Freund meinerseits Stein und Bein, dort die folgende Geschichte erlebt zu haben: Er sei, so erzählt er, eines Dienstagmorgens gegen sieben Uhr, “stockvoll” und bärenhungrig dort eingeschlagen, ausser ihm sei nur die Putzfrau anwesend gewesen. Ohne sich Gedanken über eventuelle betriebsinterne Zuständigkeiten oder Kompetenzen zu machen, habe er bei dieser “ein Döner mit Allem” bestellt, worauf die Raumpflegerin, ohne eine Miene zu verziehen und mit sachkundigem Griff das Dönerwerkzeug zur Hand genommen und ihm ein durchaus ordentliches Döner zubereitet und verkauft habe – nachdem sie sich mit einem Geräusch, welches er mit einem triefenden Schmatzen -mir stehen die Haare zu Berge, wenn ich daran denke- nachahmte, die Gummihandschuhe abgestreift hatte.
Erst am folgenden Nachmittag, als er, wieder nüchtern, das vergangene Wochenende bilanziert habe, sei ihm das Ungewohnte an diesem Dönerkauf bewusst geworden.
Ob das nun ein Hohelied auf die Dönerbude, in der sogar die Putzfrau mit Leib und Seele Dönermann ist, oder einfach eine ekelhafte Schauermär sein soll, möge jeder für sich selbst entscheiden.
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