Kaum scheint es wieder ein bisschen aufwärts zu gehen im WWW, schon kommen
die Methoden von 1999 (und die dazugehörigen Teilzeitganoven) wieder aus ihren Löchern. Suchmaschinen sind dank dem emsigen Treiben der Metaspammer, “Linkfarmer” und sonstigen Suchmaschinensaboteure momentan allesamt ungefähr so benutzbar, wie anno ’99:
Wir erinnern uns, damals kam Google als deus ex machina herbei und lieferte als einzige Maschine brauchbare Ergebnisse ohne jegliches Klimbim. Es war zu schön, um war zu sein.
Wer heute etwa nach öffentlichen Newsservern sucht, der wird sich schnell in die Zeiten des “World Wild West” zurückversetzt fühlen: Fast kein einziges brauchbares Ergebnis unter den ersten zwanzig bis dreissig Treffern. Statt dessen haufenweise Pages von Zeitgenosssen, die anscheinend “kompetente Partner” für absolut alles zwischen “Abflussrohr” und “Z-Buffer” sind. Besonders auffallend der Anteil an “Suchmaschinen-Optimierern”, “Webdesign- und Telefonmarketing”-Firmen und sonstigen Haupterwerbsnervensägen und potentiellen B-Archen-Passagieren, die offensichtlich Response-Scripts verwenden, um aus häufigen Anfragen “dynamische” Keywords zu generieren. Ich möchte, wie so oft darauf hinweisen, dass jeder Hohlkopf mit drei Vokabeln PHP ein solches Skript zusammenstümpern kann und dass nur ein Hohlkopf ein solches Skript benutzen wird, weil dessen Wirkung so schnell verpufft, wie es das Netz auf lange Sicht unbenutzbar macht. Abgesehen davon ist diese Vorgehensweise so neu und so originell, wie falsche Gasmänner oder getürkte Rot-Kreuz-Sammelbüchsen. Meiner Meinung nach auch genauso kriminell, aber bisher leider weitgehend ungestraft. Es bleibt zu hoffen, dass die “nicht geringe Frustration der Richter beim Umgang mit Suchmaschinen” (J. Heidrich/Heise) eine direktere Wirkung zeigt, als man das ansonsten von Deutschlands Justitia gewohnt ist. Ein frommer Wunsch, da mich zudem die Befürchtung beschleicht, dass hier einige bekannte Visagen aus der Dialer-Szene eine noch erbärmlichere Beschäftigung gefunden haben. Wir alle wissen, wie lange es gedauert hat, bis Telkos, Politik, Gerichte und nach langer, wohl recht profitabler Untätigkeit “die mit dem T” diesem Treiben ein Ende bereiteten – was zahlreiche, ahnungs- und weitgehend schuldlose Mitmenschen erkleckliche Summen oder gar die Existenz gekostet hat.
Logisch, dass ich jeden davor warne, die “Dienstleistungen” solcher Unternehmen, die selbst der überflüssigsten und inhaltslosesten Seite “garantierte Plazierungen” etc. versprechen,
in Anspruch zu nehmen. Merke: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es nicht wahr.
Wenn ich mich recht erinnere, wurde dieses Bonmot nach dem Platzen der grossen “Internet-Blase” von ’99 so richtig populär. Wie sich der Kreis doch immer wieder schliesst…
Mein Sendungsbewusstsein zwingt mich an dieser Stelle -ganz kostenlos und ausnahmsweise ohne Bosheiten- einige alles andere als geheime “Geheimnisse” bleibender, guter Positionierung in den Search-Engines zu verraten:
- Interessanter Inhalt: was keiner wissen will, will auch auf Platz 1 keiner wissen. Leider, muss man manchmal sagen, aber definitiv wahr.
- Nutzen der hierarchischen Headline-Tags <H1>, <H2> usw. um Themen als solche kenntlich zu machen, anstatt -Gift für Crawler- Überschriften in Grafiken zu verpacken.
- Literale Übereinstimmungen zwischen Headlines, Metas (falls vorhanden) und Fliesstext
- Wohlgeformtes XHTML – die rigide Struktur von XML entspricht ziemlich genau dem, wie Maschinen Inhalte in Datenbanken sortieren – und aus denen kommen die Ergebnisse der Suchmaschinen
- Den Ausgebufften sei die Beschätigung mit RDF und RSS empfohlen. Diese beiden XML-Dialekte können weit mehr, als alberne Blogs zu Newsfeeds zusammenzufassen
- Den oft gehörten Tip, “dynamische Webseiten zu vermeiden” möchte ich selbst auf die Gefahr eines Holy War hin als Schnee von vorgestern bezeichnen. Dynamisch dürfen sie sein – nur gut müssen sie sein.
- Meiden, wie der Teufel das Weihwasser sollte man Flash, Frames oder “Splash-Pages” (Startseiten mit einer herzigen Grafik, die beim dritten Mal keiner mehr sehen will und einem meist unerträglich anödenden “Willkommen auf den Seiten von Adi’s S’tehaus’schank/Oma/Meiner Katze”).
Die einzige Ausnahme (ja, ich kenne die Holy Wars) sind Flash-Seiten, dort wo es ausnahmslos bewegte Cartoons zu präsentieren gibt. Selbst dort sollte das
Framework der Seite in XHTML gehalten und die Animationen als object eingebunden sein.
Vollkommen unverständlich bleibt mir die scheinbare Machtlosigkeit der grossen Suchmaschinen gegen diese Meta-Spamming, also die altbekannte Unart, Meta-Informationen schrotschussartig mit sinn- und zusammenhaltslosen Schlüsselbegriffen zu fluten. Nichts liegt mir ferner, als die Hand zu beissen, die mich füttert, also bitte ich es ohne jeden Sarkasmus zu verstehen, wenn ich meine, dort sollten fraglos vorhandene Kapazitäten unbedingt dazu genutzt werden, die Qualität des eigentlichen Services aufrecht zu halten, anstatt sich mit Spielkram a la Mondkarten aufzuhalten. Meiner schon wieder bemühten (und selten unzutreffenden) Erinnerung nach dauerte es seinerzeit circa drei Monate bis der damalige Platzhirsch Fireball (remember anyone?) weg vom Fenster war, gerechnet ab dem Zeitpunkt, an dem seine Ergebnisse ähnlich durchwachsen und ähnlich durchwirkt mit -vom Benutzer durchwegs als lästig empfundener- Werbung waren, wie es die der heute favorisierten Suchmaschine Google sind. Aber ich gebe die Hoffnung auf ein weiterhin benutzbares Netz- und das bedeutet beim jetztigen Stand der Dinge, aller Kritik zum Trotz, ergiebiges “googlen” nicht auf. Dem leidigen Keyword-Spamming muss beizukommen sein – meiner Meinung nach genügten die bestehenden Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb vollauf, wenn ich Geek, der ich wohl immer bleiben werde, die elegantere Lösung intellegenterer Suchalgorithmen bevorzugen würde.
Die sind nämlich weder von der Laune des jeweiligen Amtsgerichts noch von Ort oder derzeitiger politischer Tendenz abhängig. Aber vielleicht sind das nur die naiven Vorstellungen eines hackenden Tunnelblickers…
Verwandte Einträge:
Ähnliche Artikel bereitgestellt von Yet Another Related Posts Plugin.











