Eitelkeiten

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Originally uploaded by ax11.

Vanity Surfers (“Eitelkeitssurfer”) nennt man diejenigen Zeitgenossen, die im Internet vor allem eines suchen: sich selbst, in Form von positiver Erwähnung bei Wettbewerben, im lokalen Event-Klatsch und auf Fotos. Vor allem auf Fotos.

Ich habe gerade keine “exakten” Zahlen über deren Anteil an der weltweiten Netzbevölkerung; wer eine Statistik darüber sucht, wird ganz sicher mehr als nur eine darüber “ergooglen” können (und bei der Gelegenheit auch schnell mal überprüfen, wie’s um die eigene Publicity bei Google steht – wetten?), aber ich schätze, jede Statistik, die sich finden lässt ist hoffnungslos untertrieben.Gestützt sehe ich diese Behauptung unter anderem durch die “Views” -also die Anzahl, wie oft ein einzelnes Foto aufgerufen und betrachtet wird- die meine bei Flickr veröffentlichten Fotos im Allgemeinen erzielen. Das Ergebnis ist eher frustrierend, aber bestätigt meine insgeheime Überzeugung, mich auf einer Welt voller egomanischer Ignoranten zu befinden. Man kann wirklich beeindruckende Fotos schiessen, oder nächtelang auf den “richtigen” Sonnenaufgang lauern – who cares? Nicht mehr als 50 Leute.
Oder man kann in bester “Onkel Hans vor dem Kolosseum”-Manier einfach ziellos in die Meute knipsen, hauptsache irgendwer -am besten möglichst viele davon- befindet sich, ungeachtet der Perspektive, Bildkomposition oder gar des Farbkonzepts, auf der Bildfläche. Das Interesse Hunderter, wildfremder Menschen ist dem Fotographen sicher. Man könnte ja “jemanden kennen”, der sich auf dem Foto befindet – als ab man ihn oder sie plötzlich weniger kennen würde, falls man einen Schnappschuss der betreffenden Person übersieht- oder, viel näher an der tatsächlichen Motivation praktisch aller an Fotos Interessierten, man könnte ja sonst ein Bild, auf dem man selbst ist verpassen.
Als ob man nicht einfach in den Spiegel sehen, oder sich nicht einfach das nächstbeste, unsägliche Kamera-Händy (sprich: “Die Pest”) schnappen, sich selbst nach Belieben ablichten und das Resultat der Knipserei an sich, Flickr, oder sonst wen “MMSsen”, e-mailen, mit viel zu vielen dpi auf Fotopapier drucken oder weiss der Himmel, was noch (E-Cards, CDR…) könnte.
“Philosophen” und Hobbyanthropologen, die auch nur im Traum daran denken, mir jetzt mit dem “Selbst als dem reflektierten Eindruck der eigenen Person auf den Anderen” daherzukommen, mögen die seitelange, legendäre Raserei selbst nachlesen, in die Thomas Bernhardt einst beim blanken Erwähnen einer Photographie zweier Schwestern verfiel. Ich bin erstens zu faul, das Zitat aus seinem vierhunderseitigen Kontext herauszusuchen und erst recht dazu, es abzuschreiben – es findet sich in “Auslöschung” vom genannten Autor, Suhrkamp Verlag, in jeder Buchhandlung, die diesen Namen verdient.

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