- Allgemeiner Themenbereich MIDI/Musik bei AX11
- Teil 1 – Set Up
- Teil 2 – Connections (dieser Teil)
Eh’ ich’s vergesse: was wären wir für Pinguine, würden wir uns nicht für jeden Zweck mindestens drei Kernel backen. Spass beiseite – sofern alle notwendigen Treiber für die Hardware sowie die MIDI-Implemetation vorhanden sind, steht dem eigentlich nichts im Wege. Sollte aber ohnehin ein neuer Betriebssystemkern fällig sein, möglichst Folgendes berücksichtigen: CPU-Frequency-Scaling ist der Teufel selbst! Wenn nicht schlimmer: Erstens erzeugt das Taktgedrossel Prasseln und Knistern im Soundchip, zweitens soll die Kiste den Takt halten und nicht aus heiterem Himmel die Geschwindigkeit ändern. Geschwindigkeitsexperimente des Systems sind nämlich durchaus hörbar, manchmal allerdings erst nachdem man zehn oder zwanzig leiernde Spuren aufgenommen hat…
Sollte ein Kernel mit aktiviertem Powersave, cpudyn oder dergleichen vorhanden sein, unbedingt die entsprechenden Module entladen – noch besser, einen Kernel ohne Frequenzskalierung bauen und als Standard-Boot-Option installieren. Falls man den Akkubetrieb seines Notebooks ausnutzen will, wird man im Normalfall ohnehin keine Musik machen wollen.
Jetzt aber endlich losgelegt:
Konsole auf! Entweder “su” ausführen um Superuser zu werden, oder die “Systemkonsole” aus dem Menu von Gnome/KDE aufrufen (empfohlen!)
…und die Konsole gleich auf alle Arbeitsflächen legen, sie ist sozusagen die Arbeitsplattform für die gesamte Session, denn an einen Soundserver, der mit der UID 0 läuft kann keine Anwendung aus dem “normalen” Userland zugreifen. Das bedeutet natürlich, dass alle Programme, die als “Chefsache” laufen sollen, nicht aus dem Desktop-Menü heraus, sondern von der Kommandozeile aus gestartet werden müssen. Keine Angst, das war den Entwicklern der einschlägigen Software durchaus bewusst und geht mit etwas Routine und den komfortablen Ergänzungs- und Wiederholungsfunktionen der bash (Cursor-Up, Tabulatortaste) schneller als mit der Maus.
Zuerst den Soundserver starten: qjackctl& (das ‘&’ bewirkt ein Ablösen des Prozesses von der Konsole, er läuft somit parallel zum Rest im Hintergrund und ist von nun an “normal” über die grafische Oberfläche steuerbar) die Optionen für jack bzw. Qjack-Control habe ich im ersten Teil bereits angesprochen, jetzt wird gleich qsynth losgelassen – sobald der Soundserver läuft: qsynth& auf der Superuser-Konsole tippen, enter und schon sollte Qsynth, ein GUI zu rsynth, auftauchen und auf Konfiguration warten.
Rsynth ist eine reine “Engine” – das heisst er bleibt unsichtbar und gestaltlos im Hintergrund und wird komplett über MIDI gesteuert – entweder direkt durch ein MIDI-Instrument zB ein “reales” MIDI-Keyboard das an den Rechner gesteckt wird, oder durch die virtuellen Controller einer anderen Audiosoftware – rsynth erzeugt Klänge anhand von Sound-Fonts, kann also auch auf eigentlich nicht MIDI-fähiger Hardware arbeiten. Ein paar -mehr oder weniger gute- Soundfonts für den Anfang findet man normalerweise auf den Treiber-CDs von Soundkarten, es gibt auch eine gute Anzahl freier Soundfonts im Netz: zB bei.: Synthzone. oder SF2.com . Eigene Soundfonts lassen sich zB mit Swami erstellen.
Zurück an die Konsole: Harry, fahr schon mal den Sequencer vor!
ladccad&
muse&
der erste Befehl schaltet den LADCCA-Daemon ein, der Muse ggf. mit real-time Audio-Plugins versorgt. Gelegentlich will das nicht so recht funktionieren, was auch kein Drama ist. Die “ernsthafte” Arbeit mit den LADSPA-Plugins wird erst beim Mix-Down mit Ardour gemacht. ladccad ist nicht sehr gut dokumentiert und es geht auch ohne – also lasse ich mich an dieser Stelle nicht weiter darauf ein.
Das zweite Kommando sollte jetzt Muse auf den Schirm holen und automatisch mit Jack verbinden – Zeit, das virturtuelle Studio zu “verkabeln”:
Zur Kontrolle – im Connect-Fenster von Qjackctl sollten jetzt einige MIDI- und Audio-Ports zu sehen sein. Annähernd die selben sollte auch das “Settings->Midi-Ports/Soft-Synths” anzeigen:
Jetzt sollten sich bei Muse schon die Synths ins Studio aufnehmen lassen, Die entsprechenden Verbindungen sollte Qjackctl anzeigen. Bei einigen Audio-Verbindungen, etwa die Outputs von Qsynth an die Inputs der Soundkarte laesst sich mit Qjackctl nachhelfen. Muse sollte in der Option “MIDI-Sync” auf Master gestellt werden, der Rest darf bleiben, wie er ist.
Qsynth dient hier als Drum-Synthesizer, hinter UX-16 verbirgt sich ein “echter” Synthesizer in Gestalt einer Korg-Electribe EA-1 an einem Yamaha-USB-MIDI-Adapter. Via MIDI-Through habe ich noch einen Behringer Virtualizer Pro DSP-2048 Effektprozessor am selben Interface – da beide Geräte jeweils nur einen bis zwei MIDI-Kanäle belegen und der Rückkanal des DSP-1024 selten bis nie gebraucht wird, reicht ein Port locker für beide.
Am MPU-Emu-Port der CS42xx (eine Terratec X-Fire mit Crystal 46xx-Chip) hängt ein YAMAHA TG-55 Tongenerator, der alle 16 Kanäle belegt, allerdings keinen OUT-Kanal braucht, dieser kann also für ein eventuelles Master-Keyboard genutzt werden. In diesem Fall wird der IN-Kanal der cs46xx per Connection-Menü von Qjackctl mit dem jeweiligen OUT des anzusteuernden Sequencers oder Synthesizers verbunden.
So lassen sich etwa Flächen per Keyboard auf eine Spur von Muse einspielen, die ausgangsseitig mit der TG-55 verbunden ist – die Auswahl des Sounds erfolgt bequem über das Menu von Muse oder über den entsprechenden Controller am Keyboard, wenn eine passender Sequenz herausgearbeitet ist, lsst diese sich mit Muse “live” aufnehmen und im Piano-Roll-Fenster nachbearbeiten.
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