Vorurteile wollen gepflegt sein

Eigentlich rege ich mich über die “Mainstream”-Presse ja gar nicht mehr auf. Vielleicht entfährt mir gelegentlich ein freundliches Wort, wie Schmierfinken, oder Hofschranzen, um die “schreibende” Zunft meiner Anteilnahme an ihrem widerwärtigen Treiben zu versichern, aber mehr Sympathie kann und will ich -ohne den Gebrauch von Fäusten oder nagelbewehrten Zaunlatten- für die Journaille einfach nicht aufbringen.

Bemerkenswert, wenn es doch einmal jemand schafft, diese Zurückhaltung gesinnungsmässig zu unterlaufen: Ein Bonhomme namens Bommarius hat’s auf Anhieb geschafft:

Es geht nichts über ein gut abgehangenes Vorurteil. Kaum eines ist besser abgehangen als das Bild vom ebenso habgierigen wie käuflichen Abgeordneten, der zwar dem Grundgesetz zufolge nur seinem Gewissen, dessen Gewissen aber allein dem Gelderwerb verpflichtet ist. Offenbar haben sich der frühere CDU-Fraktionschef Friedrich Merz und acht Parlaments-Kollegen von CDU/CSU, SPD und FDP vorgenommen, dieses Vorurteil – das, nebenbei bemerkt, nicht nur zu den beliebtesten, sondern auch zu den dümmsten kursierenden Klischees gehört

Bommarius, der  mit seiner öffentlichen Loyalitätserklärung zur Korruption in der Berliner Zeitung beim Arschkriechen doch glatt das Loch verfehlt, unterlässt es verständlicherweise uns darüber aufzuklären, inwiefern dieses Vorurteil dümmer, als beispielweise sein eigener verbaler Dünnpfiff ist und belässt es dabei, sich als hässlicher, kleiner Klötenbeisser der Mächtigen zu präsentieren. Schön. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt der Artikel jedenfalls – leider halte die politische Klasse in diesem Lande inzwischen für primitiv und verkommen genug, Herrn Bommarius dies auch noch positiv anzurechnen.
Nur in einem Punkt muss ich ihn ergänzen: Zu den allerliebsten und somit wieder einmal bestätigten Vorurteilen des dummen und widerspenstigen Volkes gehört vor allem einmal der so karrieregeile wie gekaufte Journalist, der dem Grundgesetz zufolge zu gar nichts und seinem Gewissen nach zu noch weniger verpflichtet ist. “Bestätigt” immer dann, wenn er dies, mangels Unterscheidungskraft zwischen “gut” (für ihn selbst) und “gut” (im Sinne eines rudimentär vorhandenen Wertegefüges) auch noch derart schlecht zu kaschieren vermag.

About Tom

Der Autor weiss nicht nur (hinterher) alles besser, er ist auch seit einigen Jahren sowohl als Live-Act, Producer und VJ und noch etwas länger als Gitarrist und Bassist unterwegs. Was Computer betrifft, musste er seine ersten Programmchen noch in CBM-BASIC und 6502-Assembler verbrechen...
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