ESI U46 SE USB-Soundcard

USB Audiointerface von ESI. Sampling rate: 44/48kHz, 2 HiZ/Line-In Instrumentaleingänge, 4 * Line-In, Cinch, 6*Line-Out (4+Stereo-Mix-Out), Mix-Out via Headphone, ASIO, Linux-kompatibel via ALSA (sehr seltsame Mixerkanäle) und Jack (ziemlich gut).

Im ersten Moment war sie eine Enttäuschung: trotz des wirklich schnuckligen Äusseren und des sehr soliden Eindrucks war der Sound -unter Windows/ASIO- bescheiden, was jedoch nur an den vollkommen veralteten Treibern auf der mitgelieferten CD lag. Wer also eine ESI U46SE in die Hände bekommt, was bei Preisen von knapp € 100.- durchaus erwägenswert ist, tut gut daran, gar nicht erst mit der Original-CD herumzutun, sondern sofort aktualisierte ASIO-Drivers zu installieren. Die mitgelieferte Software ist ohnehin nicht berauschend und durch gängige Open-Source-Tools mühelos zu ersetzen. Mit Driver-Version 1.39 bot sich dann gleich ein ganz anderes Bild. Ich sage nur soviel: Ich hatte ein Notebook, einen Fender Precision, einen Ampeg Bass-Amp schweren Kalibers, samt 4*10″+Hochtonbox, zwei “echte” Ampeg Röhren-Preamps, die ESI und den Ampeg SVX Preamp-Modeller auf dem Notebook laufen. Ich konnte also die Software-Emulation der (ausgesprochen teuren) Röhren-Vorverstärker unmittelbar gegen die echten, sauteuren Ampegs testen.

Spätestens bei einem etwas (oder ordentlich) mit dem Kompressor geboosteten Slapsound hatte selbst die echte SVT-4PRO ordentliche Konkurrenz bekommen. Das digitale “Geekspielzeug” liess die Wände wackeln, filterte slaptypisches Hintergrunddröhnen solide weg und brachte klare, harte Höhen und brettharte Bässe so druckvoll herüber, dass die Röhre  nicht immer ohne EQ-Gefummel mithalten konnte. Laut einstimmiger Meinung eines parktisch unbestechlichen Gremiums aus zwei Bassisten und einer meinungsmässig unbelasteten Frau.

Unter Linux läuft das Gerät eher problemlos unter fast allen (vernünftigen) Parametern und Jack, erweiterte Features sind per Alsamixer dank des ungewöhnlichen Layouts (bisher) jedoch eher schwer bis unmöglich zu erreichen. Ich hoffe, die Zeit richtet das und jemand schreibt eine vernünftige Beschreibungsdatei für den USB Treiber – die reinen I/Os arbeiten nämlich performance- und soundmässig ausgesprochen gut. Beim produktiven Einsatz mit z.B. Jack und Muse, gibt es bezüglich des Mixers dann auch keinerlei Einschränkungen.

Update: mit einem aktuellen Debian/Testing und Kernel >= 2.6.18 läuft die u46 einwandfrei. Zwar hat der graphische Mixer von Gnome gelegentlich Schwierigkeiten mit den Kanälen, weil sich die interne Soundkarte meines Notebooks nicht ausschalten lässt, das lässt sich aber recht problemlos mittels Alsamixer (‘cat /proc/asounds/cards’ und ‘alsamixer -c1′ does the trick) umgehen. Analog dazu lässt sich zB bei Mplayer durch die richtigen Parameter gezielt das Audiogerät auswählen, auf dem der jeweilige Stream ausgegeben werden soll: ‘mplayer -ao alsa:device=hw=1 video.avi’ spielt ein Video mit Audioausgabe auf dem zweiten Audiodevice (normalerweise die erste externe Karte, Vorsicht: MIDI-Greäte werden mitgezählt – deshalb ‘cat /proc/asound/card’ !) ab.

Update2:

alsamixer_u46

amixer controls

gibt folgende Bezeichnungen für die Controls des U46-Mixers aus:

numid=1,iface=MIXER,name=’U46   Capture Switch’
numid=2,iface=MIXER,name=’U46   Capture Switch’,index=1
numid=3,iface=MIXER,name=’U46   Capture Volume’
numid=4,iface=MIXER,name=’U46   Playback Switch’
numid=5,iface=MIXER,name=’U46   Playback Switch’,index=1
numid=7,iface=MIXER,name=’U46   Playback Switch’,index=2
numid=8,iface=MIXER,name=’U46   Playback Switch’,index=3
numid=6,iface=MIXER,name=’U46   Playback Volume’
numid=9,iface=MIXER,name=’U46   Playback Volume’,index=1

womit deren Belegung ziemlich klar sein dürfte – nur die Art und Weise, wie diese einander im graphischen bzw. curses-Frontend zugeordnet sind, könnte man als “etwas gewöhnungsbedürftig” bezeichnen. Die jeweiligen Kanäle für die Wiedergabe von Streams lassen sich im Bedarfsfall tatsächlich durch die Angabe von Parametern (s.o.) auswählen.  Für “richtiges”  Multichannel-Routing braucht es allerdings jackd (und  sofern man kein Gedächtnisakrobat oder Briefschachweltmeister ist, qjackctl oder dergleichen) – ganz analog zu ASIO unter Windows.

Bookmark/share via AddInto

Verwandte Einträge:

  1. Terratec Aureon 5.1 USB Mk1
  2. Intel IPW2100, Debian und WPA-PSK

This entry was posted in Audio and tagged , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to ESI U46 SE USB-Soundcard

  1. Stefan says:

    Hast du mehr Informationen, wie du den Mixer unter Linux gebändigt hast? Ich steige irgendwie nicht durch die zahlreichen Kanäle in alsamixer durch, die alle seltsame Namen tragen. Ich habe es zum Beispiel nicht reproduzierbar hinbekommen, ein Signal vom Mikrofoneingang abzugreifen und _nicht_ direkt auf dem Kopfhörer wiederzugeben. Das ist zwar ein nettes Feature, ich möchte das aber von Audacity erledigen lassen. Weißt du, was die Regler bedeuten?

  2. admin says:

    Mit Audacity habe ich, ehrlich gesagt, nicht einmal unter Windows vernünftige Aufnahmen hinbekommen. Weder mit ASIO (kann Audacity aufgrund Steinbergs Sch..Software-Patent sowieso nicht), noch mit den elenden DirectX-Treibern.
    Der Kopfhörerausgang ist sowieso so’n Ding – der liefert *immer* ein Mix-All-Signal, ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob sich das über die Monitor/Mute-Schalter unterdrücken lässt. Ich glaube fast, nicht. Da solltest du eher den Master-Ausgang 1/2 (aber nicht den Mix-Out) benutzen.
    Wenn du wirklich Wert auf ein ordentliches Channel-Routing legst, würde ich dir unbedingt den Jack-Audio-Driver, Qjackctl oder AlsaconnectGUI und -falls du aufnehmen willst- Ardour bzw. für simplere Sachen Time-Machine empfehlen. Ich sehe mir die Mixerkanäle, sowbald ich wieder an meinem Notebook sitze, in jedem Fall nochmal genauer an und schreibe ein kurzes Post darüber – sofern ich etwas Nachvollziehbares damit gebacken kriege…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>