Baukastensystem

Ich hatte heute einmal wieder das Vergnügen, mit dem notorisch muckenden PC eines Freundes… Normalerweise kennt man das Spielchen ja: einmal mit dem Debian-Installer über die Systempartition bügeln, die irgendwelche Dummköpfe mit “Wunderprogrammen” aus der Fernsehzeitung ruiniert haben, neu installieren, sinnlose Predigt über “Gratis-Tools” und Blödmänner, die sich “mit sowas auskennen” halten, evtl, einen Linux/Windows-Dual-Boot hinterlassen und vergeblich hoffen, der jeweilige DAU würde sich diesmal vielleicht überwinden können, seine drei Newsletters und zehn Spam-Mails unter Linux anzuklicken, anstatt ohne Antivirus (“Brauchste nicht, bremst nur..“) im IE…

Diesmal war’s aber etwas anderes – es war eindeutig die Hardware, die da Zicken machte. Knoppix lügt nicht – und auf dieser Maschine kam es nicht einmal dazu “piep” zu sagen, bevor sie crashte. Diverse eher technisch versierte Kumpels hatten schon versucht die Mühle wieder auf Trab zu bringen – der Erfolg war absehbarer Weise ein Rechner, der es kaum mehr bis zum Bootscreen schaffte, ohne stehenzubleiben. Entsprechend sah’s auch im BIOS aus. Allerdings war das Ergebnis auch mit Failsafe-Einstellungen nicht viel besser. Habe ich halt mal aufgeschraubt – und meinen Augen nicht getraut:

  • von vier Laufwerken (2*CD/DVD + 2*3.5” HDD war keines mit mehr als einer (von mindestens vier, normal acht) Schrauben gesichert
  • eine der HDDs war ohne Sicherung einfach in die Drive-Bay “hineingelegt” worden
  • von den insges. drei Laufwerksschrauben hatte keine die richtige Grösse (alles [Slot]blechschrauben)
  • obwohl die Grafikkarte im AGP-Slot steckte, war im BIOS “PCI” als primäre Grafikkarte eingestellt
  • Augen reiben nützte da nichts: in einem der PCI-Slots steckte tatsächlich eine leibhaftige 3DFX-Voodoo 1. Das war seinerzeit (ca. 1997) eine 3D-Zusatzkarte, die nach der eigentlichen Grafikkarte in das VGA-Kabel eingeschleift wurde und die Texturen “ausmalte”. Hatte 8MB RAM. Die eigentliche Grafik in diesem PC hier hatte 256MB
  • in das Gehäuse mit seinem für einen Sempron 2200 bereits unterdimensionierten 250W-Netzteil hatte jemand vier Laufwerke (mindestens eines davon völlig unnütz). eine überzählige Grafikkarte, zwei extra Kartenleser (wozu?!) und eine mangels Treibern nicht funktionierende Analog-TV-Karte (hier in Berlin gibt es sowieso nur digital) verbaut
  • sämtliche Verbindungskabel zu HDD/ACPI LEDs waren vertauscht oder abgerissen
  • an der Soundkarte steckten in allen Eingängen (analoge) Audiokabel, die auf der anderen Seite in der Luft hingen. “Der Sound rauscht auch so komisch…”
  • über das Knäuel, zu dem der Kabelsalat in der Kiste vertäut war, brauche ich nichts zu verlieren, ausser der Tatsache, dass das sekundäre IDE-Kabel mit der untoten Voodoo-I Karte im PCI Slot eingeklemmt war, weshalb man den zweiten DVD-Player (und den IDE Bus-Master) im BIOS abgestellt hatte.

Was soll ich sagen? Der Rechner läuft wieder. Sogar recht gut. Aber braucht evtl jemand eine Voodoo I? Rarität,  gut erhalten. Ich hätte da eine über…

Bookmark/share via AddInto

Verwandte Einträge:

  1. 3dfx Voodoo3 3000 AGP
  2. Hab’ ich dich, Spion!
  3. Die permanente, unabstrakte Bedrohung…

This entry was posted in hardware and tagged , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Baukastensystem

  1. Volkie says:

    Haha! Mach mal bitte ein Foto, ich glaubs grad nicht ^^

    • admin says:

      Du wirst lachen – ich habe gerade in diesem Moment nochmal ungläubig die Voodoo 1 angestarrt, die da im Regal liegt und mir gedacht, “solltest du glatt photographieren. Glaubt ja sonst keiner…”

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>