Schau mal Mutti, ohne Flash!

HTML5-Video-Workshop, Teil 1: Containerformate und die schlechte, alte Zeit

AX11visual vs. Psysun vs. Dark Schneider: "Groove Nation" (psydom rec)
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Eigentlich wäre alles so einfach:

Die lange versprochene und mit HTML5 nun -zumindest für Firefox- verfügbare, native Videounterstützung für das Web wurde bisher eher unspektakulär aufgenommen. Dabei bringt das "video"-Element jene Einfachheit mit, von der man bis vor kurzem kaum zu träumen wagte:Video-Tag auf, Hyperlink 'rein, Video-Tag zu - fertig ist des kleinen Mannes YouTube:

 1 <video src="/video/groovenation.ogv" type="video/ogg" controls="true">
 2     Browser ohne Videounterstützung?
 3     <a href="/videos/groovenation.ogv">download video</a>
 4 </video>
Listing Video-Objekt in HTML5 So einfach: Das sollte sollte sogar Klein-Otto in der Mail an Oma hinbekommen.

Eigentlich ist auch keinerlei Ärger mit Plugins mehr auf der Benutzerseite nötig: Firefox kann das und ist für jedes in Frage kommende System verfügbar. Punkt. Erst recht braucht es keine drei stromfressenden Extraprozessoren samt heulendem Lüfter mehr, um ein paar Filmchen im Web ansehen zu können. Im Vergleich zu flashbasierten Playern kommt ein direkt eingebundes Theora- oder Dirac-Video mit lächerlichen Ressourcen aus. Desweiteren ist die Qualität der -frei verfügbaren- Codecs bei weitem besser, als uns gewisse Hersteller patentbewehrter Formate -aus eher naheliegenden Gründen- glauben lassen wollen. Audio- und Videoobjekte können künftig entweder einfach als normale Hyperlinks in HTML-Dokumente eingefügt werden - und werden in diesem Fall in einem eigenen Fenster oder Tab gerendert. Oder eingebettet, wofür es im einfachsten Fall reicht <video src=quelle > </video> hinzuschreiben. Wer einem jetzt noch ein tolles Gratis-Video-Plugin, oder einen Browser ohne eingebautes Video andrehen will, der meint's nicht wirklich gut mit einem.

Ein wenig mehr Mühe als das relativ einfache HTML-Obkekt -die allerdings durchaus auszahlt- macht es, sich unter den verfügbaren und bisher teils wenig geläufgen Codecs und Formaten zurecht zufinden. Im Web gab es bisher -über Real Video lasse ich den gnädigen Mantel des Vergessens fallen- praktisch nur die Wiedergabe per Shockwave/Flash-Player. Und Flash bedeutet im Normalfall H.264-Video und AAC-Audiokompression, ausserdem recht gute Synchronizität, relativ gute Handhabung von Streams und Playern. Im Normalfall leider auch unnötig hohen Ressourcenbedarf und das Akzeptieren nachweislich unsicherer und potentiell bösartiger Fremdelemente. Gar nicht zu sprechen von gewissen elementaren Grundregeln in Technik und Design, mit denen sich diese handwerklich meist unsaubere ("embed") Hinzufügung von intransparenten und nicht vertrauenswürdigen Fremdelementen (siehe Cargo-Cult- oder Voodoo-Programming) absolut nicht guten Gewissens vereinen lässt. Immerhin nehmen Musik, Bild und gelegentlich auch die Programmiererei den Begriff "Kunst" für sich in Anspruch, durchaus zu recht - aber eben nur solange künstlerischer Wille und handwerkliches Können dahinterstecken. Und dazu braucht es meistens nicht eben Rocket Science. Denn...

Jetzt wird alles besser!
Python-Foot
2.Akt: Auftritt des Propheten. - Der Prophet betritt mit feurigem Blick die Szene und verkündet mit lauter Stimme:

"OGG-Videos!"

(Grosses Gejammer bricht aus. "Warum kein H.264? Bäääh! Ich will MP3! Aber, aber mein Eipott..!" - am Himmel erscheint ein grosser Fuss und trampelt auf den Nörglern herum. "...and now to something completely different.")

Warum Ogg-Videos? Weil ein paar Leute (W3C) vernünftig genug waren, sich nicht mit iGlasperlen bestechen und danach von Patentanwälten ausrauben zu lassen. Ende der Diskussion. (Im Ernst, der Käse ist sowieso schon gefressen und Diskussionen über "geistiges Eigentum" sind wichtig, aber leider uferlos.) Also wird gegessen, was auf den Tisch kommt: OGG-Videos. Oder OGM-Videos. Oder OGV-Videos. Oder was jetzt? Gute Frage. Die Auswahl des richtigen Formates und die Erzeugung der Streams sind bei weiterem schwieriger, als das Einbinden der fertigen Videos. Prinzipiell: Im Grunde ist es -fast- egal, was man benutzt, nur einfach umbenennen darf man die Dateien nicht. Alle drei Formate (OGG, OGM und OGV) sind Containerformate. Das heisst, sie stellen die Hülle dar, in der sich die Audio- und Videospur(en), befinden (ausserdem noch eine Synchronspur, Metadaten und eventuell Untertitel, Kommentare etc.). Die Ton- und Videospuren sind im Grunde eigene Dateien und sind mit ihrem eigenen, vom Containerformat relativ unabhängigen, Codecs komprimiert. Das gute (falsch!), alte (wahr!) AVI-Format war genau so etwas. Da man nie so recht wusste, ob die darin enthaltene Videospur nun als MPEG-1, MPEG-2 oder MPEG4 (wahlweise als MS-MPEG4 Version 2 alias DivX-4, v3 (DivX-5), FFMPEG4 etc.) codiert war, oder gar als MJPEG, unkomprimiertes RGB, Cinepak oder IntelVideo (Version 1 bis 7) war es immer ein Roulettespielchen, jemandem ein AVI zu schicken, weil man nie wusste, ob er es "aufbekommen" würde Fall er sich noch traute, nachdem üble Zeitgenossen auf die Idee gekommen waren, Viren anstatt Video in (gefälschte) AVI-Container zu stecken.

Eigentlich?

Das Hauptproblem an AVI jedoch war, dass es keine zusätzlichen Streams erlaubte: keine Untertitel, Kapitel und vor allem keine Zeitmarken, was bei längeren Filmen oft zu Synchronizitätsverlusten führte. OGG, entwickelt von Xiph als erstes und simpelstes "unserer" Containerformate, war ursprünglich als reiner Container für Audiodaten in Vorbis- oder FLAC-Codierung vorgesehen, wurde allerdings bald experimentell mit Video beladen -ursprünglich von Freaks, die mit Videodaten beladene OGG-Streams als "Piratenfernsehen" über Icecast oder VLC sendeten- und bald als auch offiziell als Audio-Videocontainer, vor allem für Aufnahmen "on the fly" und Live-Streams verwendet.

  • OGG-Videos sind HTML5-konform und empfehlen sich als robustes Format mit sehr gutem Verhältnis zwischen Bandbreite und Qualität vor allem für Audio- und Videostreaming, Live-Webcasts, Aufnahmen aus laufenden Anwendungen (z.B. Screencasts) heraus oder zur Weiterverarbeitung in Prozessketten (zB VJing, Postproduktion)
  • OGV ist eine Weiterentwicklung des OGG-Formats und speziell für stationäre Videowidergabe, Authoring, Erweiterbarkeit und zusätzliche Features angepasst. Ermöglicht Untertitel, Kapitel, alternative Audiospuren, DVD-Menus etc., ebenfalls HTML5-konform
  • OGM-Daten verhalten sich wie OGV, werden meist von Direct-Show Filtern (für Wiedergabe und Encoding mit MS-Windows) erzeugt. HTML5-konform.
...der zweite Teil über Encoder. Codecs und erweiterte Eigenschaften des VIDEO-Tags folgt in Kürze ist leider durch den Anti-Freie-Formate-Feldzug von Crapple und Mickeysoft und die somit künstlich erzeugten Querelen um Vorbis, VP8/WebM und H.264 obsolet geworden.
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3 Responses to Schau mal Mutti, ohne Flash!

  1. syb says:

    etzert weiss ich es wieder: eipott heisst der und nicht eifoon! nicht, dass ich wüsste, was der eine oder der andere ist und wodurch sich die beiden eier unterscheiden….wirst es mir ostern schon sagen, färben kann man sie glaube ich ohnehin nicht. oder?????

  2. admin says:

    Der EiPott (oder iProd) ist so etwas wie ein MP3-Player. Nur teuerer. Gibt es auch mit einem kleinen Fernseh’ vorne dran. (Noch teurer). Das iPhone ist dasselbe als Smartphone. Da der Hersteller (Äppel) so eine Art bizarre Konsumterror-Religion drum herum gebaut und sein Reich komplett gegen Fremdhersteller abgeschottet hat, wirkt der iPhone/Pod/Pad-Kult von aussen betrachtet gelegentlich etwas befremdlich.

  3. syb says:

    also, die besagte jacke hat knöpfe am ärmel zum bedienen eines pottes und eine spezielle tasche, um dieses einzustecken. das heisst für mich logischerweise, dass es auch mit einem mp3 player gehen sollte, ob der jetzt im händy ist oder ei’m kuppe eingebaut.

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