Ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, dass der Tag jemals kommen würde, an dem ich ein wirkliches Full Blown CAD System unter einem stabilen, schnellen Betriebssytem, dem man auch ernsthafte Arbeit anvertrauen mag (sprich: Linux, IRIX oder Solaris) starten und etwas Produktives damit zustande bekommen würde. Zwar gibt es unter Irix einige sehr professionelle, aber leicht angestaubte CAD-Suites, aber die sind eher für die Ansprüche (und Budgets) von Grossarmeen und Ölkonzernen gedacht, als für flottes Prototyping. Dennoch habe ich gestern einmal wieder mit unverbesserlichem Optimismus die üblichen Softwarekanäle (nein, nicht Pirate Bay! Eher Linux.com, Freshmeat und Google) nach dreidimensionaler rechnergestützter Entwurfsweichware geskimmt – und siehe da!
Neben einigen möglicherweise vielversprechenden Open-Source-Projekten, die sich allerdings durch die Bank noch im Alpha-Stadium befinden und einigen altbekannten freien 2D-Lösungen (wer mit 2d klarkommt, dürfte mit QCad (Linux/GPL) recht gut beraten sein) und sicher leistungsfähigen, aber anscheinend von Scherzbolden aus einem bizarren Parelleluniversum entworfenen Nischenprogrammen a la brlcad (heisst wirklich so und bedient sich auch genau so – oder auch ganz anders. Ich habe es jedenfalls nicht herausbekommen) findet sich mittlerweile auch tatsächlich bedienbare und einsatzfähige Software für verschiedene Anwendungsprofile. Wenn man skurrilere, hochspezialisierte oder solche Software, deren Trials nur unter Windows verfügbar sind, wogegen man die Unix-Vollversionen unbesehen und für schlappe $600 aufwärts unbesehen kaufen soll -was anhand der offensichtlichen Layoutblindheit des Autors einen unzumutbaren Vertrauensvorschuss bedeuten würde- wird die Luft schon dünner. Da ich persönlich weder umfangreiche Bibliotheken für den Maschinenbau benötige, noch gerne mit 30-Tage-Trials hantiere, habe ich mich erst einmal entschlossen, es mit Medusa4 (frei für nichtkommerzielle Anwendung) zu versuchen.
Der Installer hätte es dann allerdings beinahe geschafft, diesen Versuch im Keim zu ersticken. Ehrlich gesagt ist mir schon unverständlich, warum man unbedingt komprimierte Binaries an ein Bash-Script heften muss, wenn’s dann mit dem Entpacken nicht klappen will. Warum man dann aber noch Kunstücke machen muss, wie innerhalb des Installers von der Systemshell auf die garantiert nicht installierte tcsh zu wechseln – und vorher riskante Kapriolen mit awk und df , die auch prompt auf zB, der aktuellen Version von Debian in die Hose gehen, entzieht sich auch meinem Nerdhirn.
Wer also an einen bockenden Installer von Medusa4 gerät, sollte -wenn nichts anderes geht- mit vim auf das Installationsskript losgehen, alles bis einschliesslich der Zeile “__m4p files__” löschen, den (binären) Rest als tar.gz speichern, ganz normal mit tar -zxf entpacken (EOF-Error kann ignoriert werden.) in das ausgepackte Verzeichnis wechseln, die installXY.sh ausführen, fertig. Warum man das nicht gleich so gemacht hat – wie gesagt, ich versteh’s nicht recht.
Über das Ergebnis, das einen beim ersten Anwerfen des -endlich- glücklich installierten Endergebnisses erwartet, gibt’s dann erfreulich wenig zu sagen: Wer schon mal das eine oder andere CAD-Programm aus der sattsam bekannten Profiliga vor sich hatte, wird sich nach der mehr oder weniger langen Orientierungsphase schnell bei der Arbeit finden. Letzere geht -meiner kurzen Betrachtung nach zu urteilen- relativ flüssig vonstatten. Weniger kryptische Funktionen (zB beim Objektmanagement), als bzw. AutoCAD, allerdings auch nicht diese kurzen und bündigen Linienoperationen, weniger skurrile Layerverwaltung als etwa Nemetschek, dafür auch nicht dessen komfortables Bauteilmenue, ein deutlich starreres Interface als zB Vektor Works, aber dafür -dem ersten Eidruck nach- auch weniger Stolperfallen. Aber -and that’s the news- man ist als Konstrukteur/Designer jeglicher Facon definitiv sofort “zuhause” in einer richtigen, ernsthaften und modernen CAD Umgebung – unter Linux! Der Gottheit eurer Wahl sei’s gelobt, getrommelt und gepfiffen…
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