Oracle lässt Openoffice fallen

Nun sieht es ganz so aus, als hätten sich die Unkenrufe der schlimmsten Oracle-Hasser (zu denen ich mich bisher nicht zählte, aber langsam wird ‘s…) bestätigen, die vorhersagten, Oracle würde, sowie der Deal genehmigt sei, den Schafspelz ablegen und über die -in Wahrheit verhassten- Linuxfrickler samt der missliebigen Konkurrenten MySQL und Postgre herfallen, wie Gargamel über ein Rudel betäubter Schlümpfe.   Dass dabei jedoch sogar das prestigeträchtige Open Office abgewürgt würde, hätten die wenigsten geglaubt – inzwischen weisen allerdings -auch, wenn es noch kein offizielles Statement von Oracle gibt- alle Zeichen darauf hin, dass Oracle nahezu alle GPL/OSS-Projekte aus Suns Nachlass auflösen oder in Bezahlware umzuwandeln plant. MySQL wird es in der alten Form bekanntlich nicht mehr geben – allerdings wird die bisherige Basis von MySQL als MariaDB unabhängig von Oracle weiterleben. Für OOo und OpenSolaris scheint die Stunde jedoch geschlagen zu haben – denn wer sich der Weiterführung des Riesenprojektes Open Office annehmen soll und inwiefern  Star Office weiter existieren wird, steht völlig in den Sternen. Letzteres halte ich für unwahrscheinlich, ersteres ohne den Rückhalt von Sun, oder schlimmer, mit von Oracle unklar belassener Rechtslage und dem potentiellen Damoklesschwert möglicher Klagen von Oracle oder MS über dem Kopf für ein äusserst riskantes Unterfangen. Die einzige Firma, deren Schultern breit genug dafür wären dürfte wohl IBM sein.  Die hätten allerding mit MS und Oracle wohl ohnehin noch das eine oder andere Hühnchen zu rupfen…

Die kürzlich erfolgte Übernahme des letzten Unix-Riesen Sun Microsystems durch den Datenbankhersteller Oracle stiess in der Open Source-Welt zwar nicht eben auf grosse Begeisterung, schliesslich galt Sun als der “nerdigste” der grossen Hersteller, die “Big Irons” aus deren Haus waren der heimliche Stolz jedes Administrators, der das nicht eben pflegeleichte Sun Solaris beherrschte (auch, wenn öffentlich ausschliesslich über “Slowlaris” geflucht wurde) . Oracle dagegen stand für das genaue Gegenteil: von der ausschliesslich aus astronomisch teurem “Inustry Leading Business Management”-Blahfasel bestehenden  Produktpalette bis zu den von “richtigen Programmierern” gehässig als “Suits” (“Anzüge”) oder  “Krawatten” (“Ties”) titulierten Mitarbeitern, bis hin zu Oracles Open Source Strategie, die sich auf die Distribution eines kaum bekannten Red Hat-Derivates und das darauf fussende, so grössenwahnsinnige wie ernst gemeinte, jedoch allgemein ignorierte Beanspruchen der “Linux Leadership” beschränkte.  Sun hingegen blieb trotz aller gelegentlichen Ruppigkeiten und diverser Querelen um den Sourcecode von Java der grösste Kontributor der Linux- und Open Source Szene. Vom Netzwerk-Dateisystem NFS, über Unix/Linux Kerndieste wie Portmapper, Remote-Procedure Call (RPC) und GSS   bis hin zum omnipräsenten Java werkelt Code von Sun nicht nur unter der Haube von Linux. Und natürlich Open Office. Einst als “Star Office” neben WordPerfect als einzige unabhägige -und Linux-kompatible- Office Suite gegenüber dem damals unangefochtenen Monopolisten Microsoft auf dem Markt, Ende der Neunziger von Sun übernommen und in zwei Pakete geteilt: das proprietäre Star Office (im Kern das gleiche, aber mit einigen Extras, wie Cliparts, Vorlagen und Support) und das freie Open Office, das sich bald zu einem der Flaggschiffe der Open Source Community mauserte und Platzhirsch Microsoft -z.B. bei der ISO-Zertifizierung für Office-XML- gewaltig ins Schwitzen brachte.

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