Einer jener Gerüchte, die wirklich kaum aus der Welt zu schaffen sind, besagt, sämtliche Live-Acts in der elektronischen Musik würden ausschliesslich vorgefertigte Audiostreams abfahren. Stimmt nicht. Punkt.
Heutzutage gibt es Software, die so ziemlich alles live mit sich anstellen lässt und jede Menge Hardware, die genau für solche Zwecke ausgelegt ist. Limits gibt es dabei einzig bei den musikalischen Fähigkeiten des Performers oder schlimmstenfalls der Leidensfähigkeit des Publikums. Ich will mal versuchen, ein wenig Erleuchtung ins Dunkel bringen und einen Live-Track von seiner ersten, derzeitigen Entwurfsphase bis zum performancereifen Endprodukt dokumentieren. Das obige Video ist mit der Webcam und Line-In aufgenommen und stellt den wirklich ersten Versuch dar, aus ein paar kurz vorher programmierten Patterns -oder "Szenen", wie sich "horizontale" Gruppierungen von Sequencer-Patches in Ableton Live nennen- einen live gespielten Track zu zaubern. Das ist, wie gesagt, der allererste Anlauf und noch nichts dran, ausser den elementarsten Dingen - nur falls sich hier die Playback-Befürworter darüber ereifern wollen, dass man live eben dies oder jenes nicht hinbekäme; das bekommt "man" schon hin, wenn man will, keine Bange, kommt alles noch...
Zur technischen Erläuterung: bisher gibt es eine Drumspur, Bass und Subbass, einen Leadsynth und einen sehr simplen Backgroundsynth. Sonst nichts. Kein eigentliches Arrangement und keinerlei programmierte Zeitleiste. Was wann und in welcher Kombination abgespielt wird, Lautstärken und Modulation bestimmen die blinkenden Knöpfchen da. Beziehungsweise die Hand, nein eben nicht Gottes, sondern die des ganz und gar gewöhnlichen Musikers, der das Ganze verbrochen hat - und wenn die fehlt, dann ist etwas faul. Oder, um der Playbackfraktion mal langsam Dampf zu machen: Lasst euch nicht verarschen, Leute! Wer "live" auf den Flyer schreibt und Playback liefert, der gehört aus dem Club geschmissen. Sonst könnt ihr euer Eintrittsgeld auch gleich beim "Musikantenstadel" lassen...
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