Mit irgendjemandem habe ich dieser turbulenten Tage ein Gespräch über “Umnutzung” von Raketensilos geführt, aber leider vergessen, wer’s war. Nichtsdemzutrotz fiel es mir sofort ein, als dieser Artikel bei wired.com meinen Wahrnehmungshorizont kreuzte. Auch, wenn man sich den englischsprachigen Artikel nicht antun möchte, die Photos der mittlerweile ziemlich gammeligen Anlagen sagen eigentlich genug aus. Sowohl über begrabene Strategien und deren (materielle) Exhumierung, als auch über die heute kaum mehr vorstellbare Stimmung, quasi im Auge des Zyklopen der potentiellen strategischen Weltvernichtung und über die Aussichten der Überlebenden eines unmittelbaren Atomschlags (schon der Begriff mutet seltsam anachronistisch an) aus. Ganz nebenher sollte man vielleicht nicht vergessen, wer die Verrückten waren, die solche Pläne ausgeheckt und Jahrzehnte lang aufrecht erhalten haben – denn sie sind noch immer unter uns…
Während allerhand staatliche und kommerzielle Internetausdruckereien fieberhaft an ihrer Vision vom jugendgeschützten, zugangserschwertern “Government enhanced” Internet, einer Art panoptischer Kreuzung aus digitalem Regierungsfernsehen und Hochsicherheits-Versandhauskatalog arbeiten, macht man sich beim NY-Resistor so seine Gedanken für den Zeitvertreib ausserhalb des Netzes. Auch wenn die Bastelei an der oben zu besichtigende 100 kJ-Railgun ein typisch amerikanischer “Hack” sein mag – mich persönlich beunruhigen böse Internetseiten und -burschen sehr viel weniger als die Vorstellung, die gelangweilte Jugend von Morgen könnte spasseshalber in der Innenstadt mit schallschnellen Eisenbahnschienen um sich feuern – oder auch nur unvorsichtig mit der zugehörigen 1.6MA (Mega-Ampere[!!])-Spule hantieren. Zwar würde sich blitzschnell der nächste Politikasper finden, der sich den Kampf gegen die Verbreitung von Lötzinn, Klingeldraht und Schaltplänen auf die Fahne schreibt – aber dann schmeissen sie halt wieder mit Gullideckeln. Das hat zwar keinerlei experimentellen Mehrwert, aber eine Gesellschaft, die die Verbreitung von Information verbietet, wird zwangsläufig zu einer Gesellschaft von Dummköpfen mutieren. Brutal kommt dann von alleine.
…aus der c_base Samstag-Mittwoch. Ob mir allerdings dieser Flash Presenter recht lange erhalten bleibt, weiss ich noch nicht so recht. Die anderen Plugins, die ich probiert habe, waren leider auch nicht besser.
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Wie es immer so ist mit der Kurzfristigkeit; sie bringt, ausser der hochgeschätzten Kreativität und Leichtigkeit des Spontanen, natürlich auch das Ungeplante und Riskante mit sich. Von jeder Menge Stress und wenig Zeit nicht erst zu reden.
Auf jeden Fall habe ich gerade einmal Zeit, das Posting von Gestern morgen fortzusetzen. Ich habe mich bereits zum auf alle Zeit unbekannten Pionier der nativ transmedialen Gebrauchskunst, sozusagen zum ersten bewussten Tool-Maker der Halbvirtualität gekrönt. Was höchstens halbwegs aber durchaus teilweise ironisch gemeint ist – die schlimmen Auswirkungen des sich-selbst-ohne-ironische-Distanz-Betrachtens habe ich heute bereits anschaulich erleben dürfen und werde dem bestimmt nicht so leicht zum Opfer fallen. Im Ernst also, den notwendigen Medienübergang hat, mit meiner Ausnahme anscheinend kein Mensch in meiner Umgebung begriffen. Die resultierenden Möglichkeiten, die statische, materielle, aber eben starr in der Zeit stehende Installation per Video um ein zugehöriges, aber nichtmaterielles, aber veränderliches Element zu ergänzen, was ganz nebenher, der “Skulptur” ein dynamisches Element hinzufügt (ein altbekanntes, “klassisch” kaum lösbares Problem der bildenden Kunst) und – als kleines paradoxes Gimmick- obwohl selbst nur zweidimensional, die ihrerseits dreidimensionale Installation erweitert – muss man eben doch alles hinschreiben, wenn’s jemand merken soll …Des Spontanen Freud und Leid weiterlesen
Die gerichtbekannte Darmstädter Firma DigiProtect (Vorsicht: das im Auftrag illustrer ausländischer “Rechteinhaber” handelnde Unternehmen tritt offenbar auch als “DigiGroup” oder “DigiRights” auf) versuchte per Unterlassungsklage die Behauptung zu verbieten, DigiProtect hätte das Abmahnen von P2P-Usern als lukratives Geschäftsmodell propagiert. Wikileaks hatte zuvor eine Broschüre veröffentlicht, in der DigiRights Solutions (alias DigiGroup alias DigiProtect) genau dieses propagierte, was Digi* abstritt, obwohl das strittige PDF von deren Website stammte (dort war es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung durch Wikileaks auch noch zu finden) und in Diktion und Layout eindeutig deren CI entsprach. Das Amtsgericht Frankfurt hat die Klage von Digi-halef-omar-Rights-ibn-abbas-Group-usw abgewiesen. Da die -im PDF erläuterte- Art und Weise, in der Digi~1 und Komplizen massenweise Rechtsanwaltshonorare geltend machten zwar zweifelsfrei lukrativ, aber weniger zweifelsfrei legal ist, dürfte das weitere Vorgehen der Darmstädter und ihrer -teils aus dem urheberrechtsextremen amerikanischen Rockermusikmillieu stammenden- Klientel, ebenso interessant werden, wie die Frage, wie sich die bisherigen -offenbar zu unrecht- Abgemahnten nun verhalten werden.
Dank einiger eher verworrener Umstände und eines Geistesblitzes am Freitag Morgen bin ich mehr als kurzfristig und ohne irgendwelche Vorplanung auf die Transmediale geraten. Was, trotz absolut minimalen Konzepts, dank ausfallender Beamer, ungünstiger Verhältnisse zwischen neumodischen HD-Projektoren und angejahrten Laptops, Blizzards und des üblichen kommunikativen Chaos doch noch ganz schön stressig wurde. Jedenfall gehöre ich seit zwei Tagen und für den Rest der Woche sozusagen “zur Einrichtung” in der c_base – und das, ohne jahrelang 24/7 im Keller herumgesessen zu sein. Dass meine relativ einleuchtende Idee, ein paar recht grosse, durch dort angebrachte Beamer-Leinwände entstehende Lücken in einer Rauminstallation einfach durch Projektionen von Elementen aus der Installation auf die besagten Leinwände zu schliessen, mit meiner mehr oder weniger ständigen Anwesenheit einhergehen würde, hatte ich noch einkalkuliert. Den Arbeitsaufwand, den ein so simples Konzept bedeuten könnte, insbesondere, wenn man den Grossteil am bereits laufenden Objekt, im gut gefüllten Haus erledigen muss, habe ich dagegen -wie üblich- grosszügig unterschätzt. Jetzt, Mittwoch Früh um halb sechs, ist jedenfalls alles bis auf ein paar “Fleissaufgaben”, die ich mir heute Nachmittag vornehmen werde im Kasten, nebenher habe ich auch einmal die dienstägliche OpenStage bzw. deren nicht ganz so offenes, dafür aber besser gebuchtes Pendant als Partner-Event der TM mit Visuals versorgt und für den kurzen Augenblick, den ich Zeit für so etwas hatte, das seltene Gefühl verkannten Genies genossen. Denn selbst, wenn irgendjemand bemerken sollte, dass diese -bislang undokumentierte- Ergänzung zur “Wireframe” Installation, tatsächlich über den Materialgrenzen (bzw. zwischen Materialität und Nicht-Materialität) wirkt – und zwar aufgrund einer konkreten, transmedialen Problemstellung – im Gegensatz zum reinen Selbstzweck, der den meisten reinen Kunstobjekten dieser Gattung innewohnt, wird er kaum jemals herausfinden, welcher Gedanke tatsächlich dahintersteckte – geschweige denn, von wem er stammte. Es sei denn, natürlich er liest dieses Blog und ist somit um eine Anekdote, die kaum jemals ein interessiertes Publikum finden dürfte, reicher – und eventuell um das Gefühl, irgendwo doch ein bisschen schlauer zu sein, als man aussieht.
Wird fortgesetzt – bis ich wieder zum Bloggen komme, wahrscheinlich per Twitter.
Jeder kennt vermutlich die üblichen Seiten zum Thema “Was Ihr Browser über Sie verrät” – oft genug (“…und wie Sie sich dagegen schützen können”) mit mehr oder minder wirksamen Tools gebündelt und mehr oder weniger aussagegräftig oder beunruhigend. Panopticlick, der neueste Streich der (ganz und gar seriösen) Electronic Frontiers Foundation dürfte wohl eher unter “beunruhigend” fallen. Vorsichtig ausgedrückt. Panopticlick liest nicht nur die gängigen Variablen, wie Betriebssystem, Sprache, Browser und -version aus und fummelt ein Bisschen mit JavaScript-Variablen und Plugins herum, sondern kommt auch auf etwas abwegigere Ideen, wie die installierten Systemfonts (in meinem Fall wohl der Volltreffer für die Identifizierbarkeit: nerdiges Debian-Linux ohne MS-Truetypes, aber mit kommerziellen TT und PS-Fonts) abzufragen – und die Ergebnisse zu einer Art “Fingerabdruck” zusammenzufassen.
Die Ergebnisse kommen nicht wirklich unerwartet, können einem aber dennoch diverse Schauer über den Rücken jagen. Zumindest mein Wald-und-Wiesen-Firefox war schon mal auf Anhieb von sämtlichen bisherigen Testkandidaten -dato knappe 170 000- zu unterscheiden. Trotz abgeschalteter Cookies, AdBlock und Better Privacy. Tor zu aktivieren brachte -trotz Empfehlung der EFF- genau gar nichts an Pluspunkten; JavaScript (die reine Pest, sag’ ich doch schon immer!) abzuschalten schliesslich führte zu gar keinem auswertbaren Ergebnis – und laut Erläuterungen zu Panopticlick auch zu sehr viel weniger auswertbaren Daten. Es dürfte wohl schwer zu bezweifeln sein, dass derlei, im Grunde naheliegende, technische Spielereien bei Firmen, die ihr Geld ausschliesslich oder zu grossen Teilen mit User-Tracking verdienen, unbekannt sind. Ich persönlich werde wohl in den saueren Apfel beissen und das von mir eher ungeliebte NoScript-Add-On wieder in Betrieb nehmen – ätzend, aber immer noch besser, als MS Comic Sans ertragen zu oder mit der Gewissheit leben zu müssen, dass mir irgendwelche ihrerseits anonymen Datenhändler und Dunkelmänner mit nebulösen Absichten auf Schritt und Tritt hinterherschnüffeln. (via wired)
Fritz von 11k2 hat sich ein echtes “Wort zum Sonntag” zum Themenkomplex geistiges “Eigentum”, Sampling, Plagiate und Rechteverwurster herausgewunden. Da kann ich nur beipflichten, muss wirklich nichts weiter dazu bemerken und erst recht keine noch so vorsichtige Schätzung abgeben, wieviele meiner Tracks wohl Samples aus “ungeklärten” Quellen enthalten…
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